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HAPPY SYSTEMS
In Zeiten, in denen mit technischen Mitteln alles dafür getan wird,
ständig an- und abrufbar, also anwesend zu sein, widmet happy system
dem Abwesen einen Theaterabend.
Jede Familie, jede Band, jeder Chor, jeder Verein kennt sie: die
Abwesenden. Die Verstorbenen, Verspäteten, Ausgetretenen, Ausgewanderten
und die Ausgeschlossenen. Sie zusammen machen das Abwesen von und
auch in einem sozialen Gefüge aus.
happy system beschäftigt sich mit kleinen sozialen Gefügen, mit Familien,
Ensembles, Bands etc. Solche sozialen Systeme repräsentieren die
Eigenschaft des Menschen, tieferen Zugehörigkeiten anzuhängen.Ein
gemeinsam erlebter Verlust, die existenzielle Weg- oder Auslassung
eines Gruppenglieds stärkt die Verbindung der Zurückgebliebenen.
Spürbare Abwesenheit bringt Kommunikationsformen wie Rituale, Andachten
und Meditationen in Gang, die den Kontakt mit den Abwesenden/dem
Abwesen aufrechterhalten sollen, um sie zu beschwören, um Hilfe zu
ersuchen, an ihnen zu verdienen, oder die eigene Anwesenheit zu feiern.
Wir nennen diese sozialen Systeme happy systems. Das Abwesen ist
konstituierender Teil der happy systems. Von ihnen hat das Kollektiv
seinen Namen.
Wir verpassen dem Abwesen einen glänzenden Nimbus durch Verdichtung,
Anhäufung, Zuspitzung und Übertreibung, sprich durch die gesteigerte
Anwesendmachung des Abwesens: Mit telepathischen Mitteln, Vorahnungen,
Hellseherei, Hellhörigkeit, paranormalen Tonbandstimmen, den Folgen
von Zensur, der Tatsache der gleichzeitigen Verschiedenzeitigkeit
auf der Erde, und nicht zuletzt mit der Musik Georg Phillip Telemanns,
sowie seiner persönlichen Abwesenheit. Telemann, der Zeitgenosse
Bachs und Händels, trägt die Ferne in seinem Namen (griechisch: tele
= fern) und ist dennoch durch seine Musik unkörperlich Anwesender.
Denn happy system will durch happy systems dem Anwesen – vor dem
Hintergrund des Abwesens – seine Einzigartigkeit verleihen.
Die exklusivsten Anwesenden sind das Publikum, das persönlich in
den Theaterabend eingeführt wird und später Zeuge wird, wie sich
ein Vokalensemble verflüchtigt, wie Menschen über Tonband zu uns
sprechen und wie Paartänze alleine getanzt und Quartette im Trio
gespielt werden.
Mit:
Luigi Archetti, Lucia Becker, Kurt Grünenfelder, Margareth
Kammerer
Andreas A Müller, Bo Wiget
Premiere geplant Februar 2010, in Berlin.
Koproduktion mit sophiensaele Berlin, fabriktheater Zürich, Südpol
Luzern und Theater an der Rampe Stuttgart.
"Kunst aber stammt aus und wurzelt in der Kommunikation mit dem
Tod und den Toten.
Es geht darum, dass die Toten einen Platz bekommen. Das ist eigentlich
Kultur. "
Heiner Müller
"
Ein guter Schriftsteller hat nicht nur seinen eigenen Geist,
sondern auch noch den Geist seiner Freunde. "
Friedrich Nietzsche |
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